Trans*

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Trans*

ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der Stern am Ende des Wortes ist ein Platzhalter. Er weist darauf hin, dass es nicht nur die Geschlechter „männlich” und „weiblich” gibt, sondern ein ganzes Spektrum von Geschlecht, Geschlechtsidentitäten und Körperlichkeiten.

 

Trans* ist im Deutschen ein zunehmend verbreiteter Sammelbegriff. Je nach eigener Positionierung verstehen sich trans* Personen beispielsweise als transsexuell, transgender, transgeschlechtlich, trans*, Person mit transsexueller oder transidentischer Vergangenheit oder einfach als Mann oder Frau. Die Begriffe „transsexuell“ und „Transsexualität” werden von einigen Menschen aber auch abgelehnt. Zum einen, weil die Begriffe Anfang des 20. Jahrhunderts in der Medizin entstanden, also genutzt wurden, um ein Krankheitsbild zu beschreiben. Erst 2018 wurde Transsexualität aus der Liste psychischer Krankheiten von der Weltgesundheitsorganisation gestrichen. Zum anderen, weil die Endungen „-sexuell“ und „-sexualität” so klingen, als hätte Transsexualität etwas mit der sexuellen Orientierung zu tun, also mit der Frage, wen eine Person begehrt. Ob aber ein Mensch hetero-, homo-, bi- oder pansexuell etc. ist, hat nichts mit seiner geschlechtlichen Identität zu tun. Genauso gut könnte man fragen: „Fährst du lieber mit dem Zug oder nach Barcelona?“ Die geschlechtliche Identität betrifft das Geschlecht, in dem man sich durch die Welt bewegen will. Die sexuelle Orientierung betrifft das Geschlecht/ die Geschlechter, zu dem/ zu denen man sich sexuell und/oder romantisch hingezogen fühlt.

Trans* Personen können ihr Geschlecht durch medizinische Maßnahmen (Hormone und/oder Operationen) und juristische Maßnahmen (Personenstands- und/oder Vornamensänderung) angleichen.

 

Trans*Personen in Kunst und Kultur

In der Kunst, in der Literatur, im Film und in den Medien werden trans* Menschen und trans* Perspektiven noch nicht ausreichend – und noch nicht differenziert genug – repräsentiert. Oft ist der Fokus auf medizinische Maßnahmen gerichtet, trans* Geschichten werden fast immer als Leidensweg geschildert, trans* Figuren werden meistens von cis Schauspieler*innen gespielt. Die Broschüre „Trans* in den Medien – Informationen für Journalist_innen“ von TrIQ e.V. informiert alle, die über das Thema schreiben wollen. Im deutschsprachigen Kulturbetrieb sind trans* Menschen kaum in den Organisationsstrukturen oder auf Entscheidungsebenen zu finden.

 

 

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Jayrôme C. Robinet.

Jayrôme C. Robinet, geboren 1977 in Nordfrankreich, ist Autor, Performer und Übersetzer (u. a. von Sasha Marianna Salzmann, Christoph Marthaler und Fritz Kater). In Frankreich erschienen zwei Erzählbände aus seiner Feder, in Deutschland der Lyrikband "Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht", der 2015 im Maxim-Gorki-Theater als Einpersonenstück Premiere feierte, sowie "Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund" bei Hanser Berlin. Jayrôme C. Robinet wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Er hält einen Master in Biographischem und Kreativem Schreiben und unterrichtet Kreatives Schreiben an der Alice Salomon Hochschule Berlin.