Klassismus

Klassismus

bezeichnet die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft und/oder der sozialen und ökonomischen Position. Es geht bei Klassismus also nicht nur um die Frage, wie viel Geld jemand zur Verfügung hat, sondern auch welchen Status er hat und in welchen finanziellen und sozialen Verhältnissen er aufgewachsen ist. Klassismus richtet sich mehrheitlich gegen Personen einer „niedrigeren Klasse“.

 

Der Begriff Klassismus ist ein noch nicht sehr weitverbreiteter Begriff, der „classism" aus dem US-amerikanischen Kontext ins Deutsche transportiert. Er knüpft nicht an eine bestimmte Definition von Klasse an, wie zum Beispiel die von Marx, Bourdieu oder Max Weber. Vielmehr wurde mit dem Begriff eine eigene Setzung vorgenommen, bei der nicht davon ausgegangen wurde, dass alle die oben genannten Theorien kennen. Der Begriff wurde maßgeblich durch die Erfahrungen von Communities geprägt, die mehrfachdiskriminiert werden, also zum Beispiel durch Gruppen innerhalb der Frauenbewegung oder der „Black Movements“, die Klassismus erfahren. Mit dem Begriff werden deswegen verschiedene Diskriminierungsdimensionen aus einer intersektionalen Perspektive berücksichtigt. Außerdem umfasst der Begriff nicht nur die ökonomische Stellung von Menschen, sondern auch die verschiedenen Abwertungserfahrungen auf kultureller, politischer, institutioneller und individueller Ebene.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nennt die soziale Herkunft und Position nicht als Diskriminierungsdimension. Wir berücksichtigen Klassismus in unserer Arbeit, da die Klassenherkunft zum Beispiel maßgeblich bestimmt, wie leicht wir Zugang zum Kulturbetrieb erlangen, welche Werte wir bestimmten Kunstformen zuschreiben und ob die Werke, die wir schätzen, ein Teil des Kanons sind.