Othering

ˈʌðəɹɪŋ

Othering

Von Othering spricht man, wenn eine Gruppe oder eine Person sich von einer anderen Gruppe abgrenzt, indem sie die nicht-eigene Gruppe als andersartig und fremd beschreibt. Dies geschieht in der Regel innerhalb eines Machtgefälles: die als anders Beschriebenen sind von Diskriminierung betroffen und haben deswegen wenig Möglichkeiten, sich gegen die Zuschreibung zu wehren.

 

Othering (von englisch other = anders) bezeichnet die Distanzierung von einer Gruppe, deren Eigenschaften, Bedürfnisse und Fähigkeiten als besonders hervorgehoben werden. Unabhängig davon, ob die in den Mittelpunkt gerückten Eigenschaften positiv oder negativ gewertet werden, werden sie als abweichend von der Norm interpretiert und die der Gruppe zugehörigen Personen damit ausgegrenzt. Meist wird die andere Gruppe im Vergleich aber abgewertet und durch diese Abwertung das eigene positive Selbstbild erzeugt: Um die eigene Gruppenidentität zu bilden, zu stärken und als Norm zu bestätigen, braucht es die Abgrenzung von der anderen Gruppe.

Oft entsprechen die Eigenschaften, Bedürfnisse und Fähigkeiten, die der dominanten Gruppe als Abgrenzungsmerkmale dienen, den Diskriminierungsdimensionen, die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz benannt werden. Gruppen werden beispielsweise wegen ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität, einer Behinderung oder aufgrund rassistischer Zuschreibungen zu Anderen gemacht. Dabei wird die Gruppe als Einheit wahrgenommen und als Ganze beispielsweise für die Handlungen einzelner Personen verantwortlich gemacht.

Der Begriff Othering wird im Deutschen manchmal mit VerAnderung oder Fremd-Machung übersetzt.

 

Othering im Kulturbetrieb

Im Kulturbetrieb spielt Othering unter anderem eine Rolle, wenn es um die Bestimmung von Zielgruppen geht und die Frage, warum bestimmte Gruppen von Besucher*innen in einer Kulturinstitution fehlen. Statt mit den Zielgruppen ins Gespräch zu kommen, werden ihnen häufig Bedürfnisse und Wünsche zugeschrieben.