Sexismus

zɛˈksɪsmʊs

Sexismus

bezeichnet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. In einer männlich dominierten Gesellschaft zeigt sich Sexismus jedoch vor allem in der Abwertung und Marginalisierung von Frauen, Trans*personen und Weiblichkeit im Allgemeinen. (Cis-)Männlichkeit wird hier als Norm verstanden, an der alles gemessen wird.

 

Der Begriff Sexismus stammt aus dem Englischen (sexism). Im deutschen Kontext gibt es oft das Missverständnis, Sexismus beziehe sich vor allem auf diskriminierende Handlungen, die auf Sexualität bezogen sind, wie etwa sexuelle Belästigung. Obwohl diese Formen der sexuellen Gewalt auch Ausdruck von Sexismus sind, bezeichnet der Begriff jedoch ein sehr viel weiteres Spektrum geschlechtsbezogener Diskriminierung, etwa, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen. In Deutschland verdienen Schauspielerinnen beispielsweise 46% weniger als Schauspieler.

Parallel zur Diskussion über Sexismus verbreitete sich in den 1960er Jahren auch der Begriff Rassismus, der die Diskriminierung ethnischer Gruppen beschreibt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass verschiedene Diskriminierungsformen sich überschneiden können (Intersektionalität). So ist eine queere, weiblich identifizierte Person of Color auf mehreren Ebenen Diskriminierung ausgesetzt. Die Frauenbewegung der 1960er und der darauffolgenden Jahre war, sowohl in den USA als auch in Deutschland, in der öffentlichen Wahrnehmung weiß dominiert. Schwarze feministische Positionen und Stimmen von Frauen* of Color wurden innerhalb der Bewegung zur Seite gedrängt: Ihre Analysen der Machtverhältnisse, auch zwischen Frauen und auf internationaler Ebene, wurden ignoriert oder unterdrückt. Auch heute besteht die Gefahr, feministische Erfolge auf Kosten anderer marginalisierter Gruppen zu erlangen. Lange wurden von der feministischen Bewegung beispielsweise queer- und trans*feministische Positionen ausgeblendet oder gar bekämpft. Diese Positionen beziehen die Begriffe Frau/Weiblichkeit und den Umgang mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung nicht nur auf heterosexuelle Cis-Frauen.

 

Sexismus im Kulturbetrieb

Im Kulturbereich ist Sexismus sehr gut an der #MeToo-Debatte zu erklären: Theater- oder Filmproduktionen werden meist von (Cis-)Männern geleitet und das Arbeitsverhältnis ist zudem oft hierarchisch strukturiert. In diesen geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen ist es für männliche Regisseure, Produzenten oder andere Kollegen sehr leicht, die abhängige Position von Frauen auszunutzen und/oder den Frauen Steine in den Weg zu legen. Das kann, ganz abgesehen von sexueller Gewalt, auch bedeuten, dass etwa eine Schauspielerin dafür abgestraft wird, wenn sie sich nicht den möglicherweise sexistischen Regieanweisungen fügt. Durch diese sexistischen Traditionen sind auch die Repräsentationen von Frauen, etwa in Film und Fernsehen, oft klischeehaft und eingeschränkt. Es gibt zum Beispiel deutlich weniger (interessante) Frauenrollen. (Siehe hierzu auch: Bechdel-Test)

Ein bekanntes Beispiel aus der Kunstwelt sind die künstlerisch-aktivistischen Statements der Guerilla-Girls, die in den USA die Abwesenheit von Künstlerinnen in den Ausstellungen der Museen anprangerten (1989): „Do women have to be naked, to get into the Met. museum? Less than 5% in the Modern Art sections are women, but 85% of the nudes are female.“/ „Müssen Frauen nackt sein, um ins Met. Museum zu kommen? Weniger als 5% (der Kunstwerke) im Bereich Moderne Kunst sind (von) Frauen, aber 85% der Akt-Darstellungen sind weiblich.“