In einem aufgeklappten Koffer finden sich viele Bücher zu Diversität, vor dem Koffer liegen Textmarker und Post-Its

Dieser Arbeitskoffer bietet eine Einführung in wichtige Grundlagen zum Thema Antidiskriminierung. In unserem Wörterbuch finden sich Erklärungen zu verschiedenen Begriffen, die im Zusammenhang mit Diversität im Kulturbetrieb stehen. Hier verlinken wir auf externe Online-Ressourcen, die einen ersten Überblick über die Themen Diskriminierung, Privilegien und Intersektionalität ermöglichen. Wir freuen uns über Hinweise zu weiteren geeigneten Einstiegstexten, vor allem zu solchen, die online verfügbar sind.

Arbeitskoffer

Diskriminierung

Andreas Hechler für das Anne Frank Zentrum: „Diskriminierung“

Der Text gibt eine ausführliche Einführung in das Thema. Erklärt werden die Wirkungsweise von Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen sowie die zwangsweise bestehende Verschränkung von Diskriminierung mit Macht. Der Artikel gibt einen Ausblick ins Thema Privilegien und ein paar Impulse für die Praxis. Obwohl der Text für den Bereich Kita geschrieben wurde, sind alle genannten Elemente auf andere Arbeitsbereiche übertragbar.

Achtung: Es werden beispielhaft einige diskriminierende (behindertenfeindliche und homofeindliche) Begriffe zitiert.
 

Azadê Peşmen für Deutschlandfunk Kultur (2018): “Wie Tausende kleine Mückenstiche - Rassismus macht den Körper krank” 

Der ursprüngliche Audiobeitrag über Mikroaggressionen ist als Text archiviert. Es wird beschrieben, wie ständige, kleine, oft unbewusste Handlungen und Äußerungen sich auf Personen, die von Diskriminierung betroffen sind,  als permanente psychische und physische Belastung auswirken.

Privilegien

Pia Rauschenberger / Trang Thu Tran „Die unangenehme Wahrheit sozialer Ungerechtigkeit“ (2019).

Das Radiofeature, das auch als Lesebeitrag verfügbar ist, gibt einen umfangreichen und sehr gelungenen Einblick in das Thema Privilegien. Es werden zahlreiche weitere Quellen genannt.

 

Sabrina Kley: „Wie privilegiert bin ich eigentlich?“ (2017)

Die Autorin setzt sich in dem persönlichen Beitrag mit ihren eigenen Privilegien auseinander und gibt Beispiele für verschiedene Kategorien der De-/Privilegierung. Sie hat außerdem die bekannte Übung „Walk of Privilege“ ins Deutsche übersetzt, mit der sich die eigenen Privilegien analysieren lassen.

 

Kulturshaker: „Privilegien“ (2016)

Kurze Erläuterung mit mehreren Videobeispielen (aus dem englischsprachigen Raum).

Intersektionalität

Gunda Werner Institut: „Intersektionalität“

Die kleine multimediale Sammlung bietet eine Erklärung des Konzeptes Intersektionalität auf Basis der Definition von Kimberlé Crenshaw, die den Begriff 1989 prägte. Es gibt eine Definition, einen einführenden Textbeitrag, eine Folge des feministischen Podcasts „Feminismus Backstage“ zum Thema, den Link zu einem TED-Vortrag von Kimberlé Crenshaw (2016, Englisch mit deutschen Untertiteln) sowie mehrere Links zu vertiefenden Beiträgen auf der gleichen Webseite.

 

DeutschPlus: „Vielfalt intersektional verstehen. Ein Wegweiser für diversitätsorientierte Organisationsentwicklung“ (2018).

Die Veröffentlichung widmet sich ausführlich den Grundlagen von Diversität und den damit zusammenhängenden Kategorien von Diskriminierung. In der zweiten Hälfte geht es um Organisationsentwicklung unter intersektionalen Gesichtspunkten und mit vielen Praxistipps.

 

Portal Intersektionalität: Schlüsseltexte

Wer tiefer in das Thema Intersektionalität einsteigen möchte, kann sich den Schlüsseltexten widmen, die das Portal Intersektionalität zusammengetragen hat. Hier sind grundlegende englische und deutsche Texte zum Thema Intersektionalität aufgeführt, auch mit dem Fokus auf Schnittmengen zu Theoriefeldern wie Queer- oder Disability-Studies und im Hinblick auf intersektionale Praxis.

Des Weiteren haben wir eine Liste mit ausgewählten Texten/ Online-Ressourcen zu folgenden Themen zusammengestellt:

Kritische Blicke auf Kulturinstitutionen

Elisa Liepsch / Julian Warner (Hg.): Allianzen - Kritische Praxis an weißen Institutionen (2018)

Allianzen ist ein Sammelband, in dem Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen ihre Arbeitspraxis in und mit etablierten Kulturinstitutionen reflektieren. Es geht um die Wirkungsweisen struktureller Ausschlüsse, vor allem aufgrund von Rassismus und Queerfeindlichkeit, und um Strategien, diese durch solidarische Praxen und Allianzenbildung zu überwinden.

Hier kann der Volltext kostenlos als PDF runtergeladen werden!

Thomas Schmidt: Macht und Struktur im Theater (2019)

Für die Studie wurden knapp 2.000 Theatermitarbeiter*innen zu den Arbeitsbedingungen an deutschen Theatern befragt. Im Fokus standen dabei Fragen rund um Macht und Machtmissbrauch, körperlichen und sexuellen Missbrauch, Arbeitszeiten, Bezahlung und sozialen Status. Thomas Schmidt, Professor für Theater- und Orchestermanagement in Frankfurt a.M., kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass es einen “strukturellen Machtmissbrauch im deutschsprachigen Theater gibt” und “Macht [...] zu einem regulären Management-Instrument” wird (zitiert nach einem sehr lesenswerten Interview mit nachtkritik).

Durch die Daten der Studie wird deutlich, dass insbesondere Theaterschaffende auf niedrigen Hierarchieebenen unter dem Machtmissbrauch leiden - Verschränkungen unterschiedlicher Diskriminierungsdimensionen, wie beispielsweise Gender und Klasse, deuten sich an.

Wem die ganze Studie zu lang ist, kann Schmidts eigene Zusammenfassung auf VAN lesen.

Grundlagen der Diversitätsorientierten Organisationsentwicklung

Impulse zu Vielfalt (2018/2019)

von DeutschPlus - Initiative für eine Plurale Republik

Der Sammelband beschäftigt sich mit aktuellen Fragestellungen diversitätsorientierter Organisationsentwicklung und gibt Handlungsempfehlungen für die praktische Umsetzung. Ziel ist es, aus unterschiedlichen Perspektiven heraus gegenwärtige Fragestellungen zu ‚Diversität und Organisationen‘ zu diskutieren sowie Handlungsfelder und Instrumente der Diversitätsorientierten Organisationsentwicklung vorzustellen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Sichtbarmachung und dem Abbau rassistischer Diskriminierung, der sich einzelne Beiträge spezifisch zuwenden. Zu Wort kommen dabei Personen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Beratung und Gewerkschaft.

Vielfalt intersektional verstehen. Ein Wegweiser für diversitätsorientierte Organisationsentwicklung

von DeutschPlus - Initiative für eine Plurale Republik

Die Broschüre, die in Zusammenarbeit mit I-Päd - Intersektionale Pädagogik entstanden ist, stellt wesentliche Begriffe, Konzepte und Kernprinzipien der intersektionalen Diversitätsentwicklung vor und beleuchtet wichtige Handlungsfelder der Organisationsentwicklung. Die Handreichung basiert auf Qualitätsstandards aus der Beratungspraxis und möchte Lücken schließen, insbesondere im Hinblick auf Mehrfachdiskriminierung.

Grundsätze und Qualitätskriterien der Diversitätsorientierten Organsationsentwicklung

von RAA Berlin in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der RAA

Die Broschüre umfasst die wesentlichen Grundsätze der Organisationsentwicklung und verknüpft diese mit Qualitätskriterien, die auf Antidiskriminierungsansätzen basieren. Ziel des Ansatzes ist es, Institutionen zu unterstützen, ihr Wirken nach innen und nach außen diskriminierungskritisch zu prüfen und diversitätsorientiert weiterzuentwickeln.  

 

Sprache und Diversität

Anatol Stefanowitsch: Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen (2018)

Sprachpolizei? Zensur? Der Untergang der deutschen Sprache? Der Sprachwissenschaftler Stefanowitsch geht in seinem Buch darauf ein, wie sich die Verwendung politisch korrekter Sprache zum Thema Meinungsfreiheit verhält und welche Rolle dabei Verantwortung für das eigene Sprachverhalten in der Gesellschaft spielt. Gut zu lesen, häufig gehörte Kritikpunkte an politisch korrekter Sprache werden aufgegriffen und in ihrer Intention analysiert und entkräftet.

In einem Vortrag, der auf Deutschlandfunk veröffentlicht wurde, erläutert Stefanowitsch die Kernpunkte seines Buches.

 

Sharon Dodua Otoo: Die Geschichte von Kreis und Viereck (2018)

Wie funktioniert eine gesellschaftliche Norm und welche Überlebensstrategien haben diejenigen, die ihr nicht entsprechen? Und was passiert, wenn eine Gruppe Marginalisierter sich zusammenschließt, um endlich selbst zu bestimmen, wie sie repräsentiert werden wollen? In ihrer Geschichte erzählt die Autorin und Bachmannpreisträgerin Sharon Dodua Otoo sehr unterhaltsam davon, wie sich die Kreise in der Mehrheitsgesellschaft der Vierecke behaupten und warum selbstbestimmte Sprache dafür so wichtig ist.

Gespräch mit Susan Arndt: In rassistischen Wörtern steckt viel Gewalt (2020)

Im Interview auf Deutschlandfunk (ca. 25 Minuten) erklärt die Sprachwissenschaftlerin Susan Arndt, warum rassistische Sprache Gewalt transportiert und Denkmuster fortschreibt, die in direkter Verbindung zum Kolonialismus stehen, und wie es möglich ist, über Rassismus zu sprechen, ohne ihn zu reproduzieren.

 

Leidmedien: Begriffe über Behinderung

Die Online-Plattform Leidmedien bietet viele Ressourcen zum Thema Menschen mit Behinderung in den Medien. So auch diesen Leitfaden zur ableismuskritischen Sprache. Der Beitrag kommentiert Begriffe zum Thema Behinderung, die sich im Umlauf befinden. Er erklärt, welche diskriminerend sind und warum, und schlägt Alternativen vor. Der Text wird auch als Video in Deutscher Gebärdensprache (DGS) zur Verfügung gestellt.

Achtung: Da es konkret um die Sensibilisierung für problematische Begriffe geht, werden davon auch einige genannt.

nicht stumm! Fragen und Antworten zum Thema Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdenspache (DGS) ist seit 2002 in Deutschland eine anerkannte Sprache mit eigenem Sprachsystem aus Handzeichen, Mimik und Körperhaltungen, die Teil einer Gebärdensprachkultur ist und auch eigene Kunstformen hervorgebracht hat. Trotzdem existieren nach wie vor viele Stereotype über Taube/gehörlose Menschen und Gebärdensprache. Taubenschlag, das Nachrichtenportal für Taube und schwerhörige Menschen, hat nun das Projekt nicht stumm! veröffentlicht, in dem häufige Fragen zum Thema Gebärdensprache kompetent beantwortet und gängige Klischees widerlegt werden.

Rassismuskritische und kolonialismuskritische Grundlagen

Tupoka Ogette: exit Racism: rassismuskritisch denken lernen

Leseprobe im Heimatkunde-Portal der Heinrich Böll Stiftung

Das “Mitmachbuch” ist für weiße Leser*innen geschrieben und vermittelt theoretisches Wissen über Rassismus und seine Funktionsmechanismen. In praktischen Übungen regt es zu einer individuellen und emotionalen Auseinandersetzung mit verinnerlichten rassistischen Strukturen und Denkweisen an. 

Azadê Peşmen: Wie Tausende kleine Mückenstiche. Rassismus macht den Körper krank (2018)

Der ursprüngliche Audiobeitrag über Mikroaggressionen ist als Text archiviert. Es wird beschrieben, wie ständige, kleine, oft unbewusste Handlungen und Äußerungen sich auf Personen, die von Diskriminierung betroffen sind,  als permanente psychische und physische Belastung auswirken.

Maureen Maisha Auma: Rassismus - Eine Definition für die Alltagspraxis (2018)

Die im Auftrag der RAA geschriebene Einführung in das Thema Rassismus widmet sich gut verständlich und trotzdem sorgfältig verschiedenen Aspekten des Rassismus: als Wahrnehmungssystem, in seiner Funktion als Schutz für die gesellschaftlich dominante Gruppe und in seiner modernen Ausprägung, bei der der Begriff "Kultur" Platzhalter für den einstigen Begriff "Rasse" wird. Die Existenz von Menschen"rassen" ist längst widerlegt, das System Rassismus hingegen lebt in anderer Form weiter. Im Anhang finden sich weitere Literaturtipps.

Noa Ha: Kulturelle Aneignung und koloniale Gewalt (2016)

Noa Ha erklärt in ihrem Beitrag, warum die Beschäftigung mit kolonialen Kontinuitäten ein erster Schritt ist, um das Problem der kulturellen Aneignung zu begreifen, und warum es dabei nicht darum geht, Kulturen zu essentialisieren, sondern darum, gelebte Erfahrungen und bestehende Machtverhältnisse sichtbar zu machen.

Felwine Sarr/ Bénédicte Savoy: Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter (2019)

2019 veröffentlichten Bénédicte Savoy und Felwine Sarr ihren Bericht zur Restitution kolonialer Raubgüter, den der französische Präsident Emmanuel Macron bei ihnen in Auftrag gegeben hatte, als Buch. Auf Deutschlandfunkkultur gibt es eine sehr gelungene Buchbesprechung, die beschreibt, warum diese Veröffentlichung weit mehr ist als eine Handreichung für die Politik. Es handelt sich vielmehr um den Vorschlag zu einer neuen Beziehungsethik zwischen den Staaten des globalen Südens und Nordens.

Ableismuskritische Grundlagen

Rebecca Maskos: Ableism und das Ideal des autonomen Fähig-Seins in der kapitalistischen Gesellschaft (2015)

Rebecca Maskos’ Text bietet eine sehr fundierte Einführung in das Thema Ableismus und seine Wirkungsweise in der (neoliberal-kapitalistischen) Gesellschaft. Das Layout des digitalen Volltextes ist nicht optimal, aber der Text gut verständlich und reich an weiteren Literaturtipps.

Raul Krauthausen: Können Nichtbehinderte sich für behinderte Menschen engagieren? (2019)

Solidarität: ja, unbedingt, aber richtig! Der Aktivist Raul Krauthausen beschreibt in seiner zugänglichen Handlungsanleitung, wie nicht-behinderte Menschen in hilfreicher Weise als Allies (Verbündete) für behinderte Menschen agieren können, was sie dafür lernen und was sie besser unterlassen sollten.

Die Neue Norm: Podcasts und Artikel zu Disability Mainstreaming

Die Neue Norm ist ein Online-Magazin zum Thema Disability Mainstreaming, das als Projekt von Sozialhelden e.V. entstanden ist. Hier werden Fragen zum Thema Behinderung behandelt und gesellschaftspolitische Mechanismen hinterfragt, mit dem Ziel, Behinderung als gesamtgesellschaftliches Thema zu etablieren. Es bietet einen erstklassigen Einblick in verschiedene relevante Themenbereiche.

Es gibt zum Beispiel die Rubrik Kultur mit dem Fokus auf der (Unter-)Repräsentation behinderter Menschen im Kulturbetrieb, ihren Strategien und Kämpfen.

Sehr empfehlenswert ist auch der Podcast, in dem drei Journalist*innen über ihre Perspektiven auf Behinderung sprechen, zum Beispiel über das Thema "Inspiration Porn". Die Gespräche stehen auch als Transkript zur Verfügung.